Anleitung für ein Minibuch
Dies ist - auf vielfachen Wunsch, der Versuch, eine Anleitung zu schreiben, wie man ein kleines Büchlein in einer vereinfachten Buchbindetechnik selber herstellt.
Alle, die wirklich Ahnung vom Buchbinden haben, mögen jetzt bitte schnell weiterklickern, denn es ist wirklich eine "vereinfachte Anleitung", insbesondere ohne die korrekten Fachbegriffe, trotzdem (oder grade deswegen?) hoffen wir, dass es eine verständliche Anleitung ist und so auch dem ungeübten Buchbindeneuling vielleicht der Einstieg in diese faszinierende Technik ermöglicht wird.
In Bild 1 seht Ihr zunächst
mal das fertige Buch.
Beeindruckt? - Ist gar nicht so schwer. Seht selbst:
Zunächst die Vorbereitung:
Buchbinden ist eine sehr exakte Kunst, eine gute Schneidemaschine, mit der
man nicht nur grade, sondern auch millimetergenau schneiden kann, vereinfacht
die Sache enorm.
Um es für den Anfang so leicht wie möglich zu machen, haben wir für dieses Musterbuch als "Einschlagpapier" simples Packpapier von der Rolle gewählt. Das ist recht stabil und nimmt auch Fehler beim Einleimen nicht so schnell übel. Natürlich kann man grundsätzlich jedes andere Papier, sogar Leder und Stoff als Einschlag benutzen. Man sollte nur darauf achten, daß es nicht zu "durchlässig" ist, sonst können nach dem Abtrocknen häßliche Leimflecken sichtbar werden.
Selbstverstsändlich kann (und sollte, damit es hübsch wird) jeder sein Papier vor dem Leimen nach Geschmack bestempeln. Wir haben hier eine schnelle Variante gewählt und ganz schlicht den großen ABC Hintergrundstempel mit Encore Bronze aufgestempelt und embosst.
Als erstes kommt hier die "Zutatenliste", damit Ihr Euch alle benötigten
Dinge schon vorab besorgen und das Papier auch gleich in der richtigen Größe
zuschneiden könnt.
Auf Bild 2 haben wir
mal alles "optisch" zusammengestellt, Stempel und Stempelkissen
etc. zum Gestalten des Einschlagpapieres kann natürlich jeder selber
wählen.
Ihr braucht:
1 Falzbein
1 stabile Nadel
Zwirn
Buchbinderleim
Pinsel
Kreppband (aus dem Malerbedarf)
6 Seiten gutes, weißes Papier in DIN A 5
feste Pappe (mindestens 1mm stark)
Buchbinderleinen (Fachgeschäft, am besten in den gelben Seiten nachschauen)
Einschlagpapier
gaaaaaanz viel Schmierpapier (Zeitung) als Unterlage
Butterbrotpapier und drei-vier schwere Bücher
Für ein Buch, das etwas kleiner als DIN A 6 wird, bitte Pappe, Papier
und Buchbinderleinen auf folgende Maße zuschneiden:
| 2 Pappdeckel | 145 x 102 mm |
| 1 Streifen Kreppband | 145 x 40 mm |
| 1 Streifen Buchbinderleinen (Rücken außen) | 175 x 60 mm |
| 1 Streifen Buchbinderleinen (Heftstreifen innen) | 140 x 50 mm |
| 1 Streifen Buchbinderleinen für Ecken | ca. 150 x 60 mm |
| 2 Papierüberzug außen | ca. 175 x 104 mm |
| 2 Papierseiten innen | 140 x 96 mm |
Jetzt fehlt noch eine letzte "Vorbereitungshandlung" - nämlich
die Ecken.
Für die Ecken macht man sich am besten eine wiederverwendbare Schablone
aus stabiler Pappe, die man dann auf den Streifen Buchbinderleinen drauflegt,
4x rundrum zeichnet und dann alle vier künftigen Ecken ausschneidet.
Wie so eine Schablone aussieht, seht Ihr auf Bild
3, dadrunter seht Ihr den fertig angezeichneten Streifen Buchbinderleinen
vor dem Ausschneiden.
So, und jetzt geht's los:
Im ersten Schritt werden die beiden Pappdeckel mit einem Streifen Buchbinderleinen
(Rücken außen) verbunden.
Dazu einen der beiden Pappdeckel ganz grade an den Rand des Kreppbandstreifens
kleben und den zweiten mit ca.10 mm Abstand an den anderen Rand. (Bild
4). Der Abstand in der Mitte ist sehr wichtig, wenn der zu klein ist,
"klemmt" nachher das Buch, d.h. es schließt nicht ordentlich.
Lieber 1-2 mm zuviel als zuwenig. Die Breite dieses "Schlitz" hängt
auch von der Stärke der Pappe ab, die Ihr benutzt. Faustregel: Doppelte
Pappenstärke plus 8mm für das Papier.
Dann nehmt Ihr den langen Streifen Buchbinderleinen (Rücken außen) und bestreicht ihn gleichmäßig auf der Innenseite mit Leim (jetzt kommt das Schmierpapier als Unterlage zum Einsatz), um ihn dann mittig über das Kreppband zu kleben (das kann ruhig draufbleiben, das stört nicht), die überstehenden Stücke oben und unten werden nach innen eingeschlagen, mit dem Falzbein sorgfältig alle Kanten nachziehen und alles gut andrücken. (Bild 5)
Tipp zum Leimen:
Nehmt für jedes Teil, dass Ihr mit Leim bestreicht ein neues Stück
Schmierpapier als Unterlage, faltet es danach sofort zusammen und schmeißt
es ggfs. weg (wenn man es in der halben Größe nicht noch mal verwenden
kann) Durch das Zusammenfalten verhindert Ihr, dass Ihr irgendwann unbeabsichtigt
ein sauberes Stück Papier oder Leinen auf alte Leimreste legt. Das passiert
schnell und ist oberärgerlich, denn meistens muss man das Stück
dann wegwerfen.
Geleimt wird "von der Mitte nach außen". Heißt, einen
Klecks Leim mitten auf das Stück auftragen und dann gleichmäßig
und zügig mit dem Pinsel erst in der Mitte verteilen und dann bis über
den Rand verstreichen. Wichtig ist dabei, dass Ihr wirklich den gesamten Rand
komplett eingeleimt habt, am besten streicht man großzügig bis
aufs Schmierpapier. Aber nicht zuviel Leim nehmen, der quillt dann nachher
wieder raus, dünn reicht. Dabei das Werkstück gut festhalten - und
einen alten Lappen zur Hand haben, denn man muß unweigerlich mit mindestens
einem Finger "in den Leim packen" und deshalb sollte man sich gut
die Hände abwischen, bevor man weiterarbeitet. Leim macht wirklich häßliche
Flecken. Auch eine Schürze kann nicht schaden. (das ist ein privater
Erfahrungswert....)
So, wenn der grobe Deckel fertig ist, müssen als nächstes die Ecken
angeklebt werden. Das erfordert etwas Übung und es ist schwierig, es
verbal zu erklären. Vormachen ginge viel leichter. Aber egal, am besten
übt man es zunächst mal mit den noch nicht eingeleimten Eckstücken.
Auf Bild 6 seht Ihr das Ankleben
der Ecke in drei Schritten: Zunächst außen mittig anlegen und dann
rechts und links nach innen klappen. Wenn man mit Augenmaß gut die Mitte
getroffen hat, dann schließt sich die Kante innen genau. - Wenn man
mit der eingeleimten Ecke zügig arbeitet, hat man meist noch die Chance,
ein bisschen zu schieben, so dass es sich richtig in die Mitte zieht und schließt.
Wenn es gar nicht geklappt hat, alles wieder abreißen, neu einleimen
und noch mal von vorne. Buchbinderleinen ist stabil und hält das aus.
- Naja, und mit den anderen drei Ecken dann genauso verfahren.
Euer Deckel sieht jetzt so aus: Bild 7.
Im nächsten Schritt wird das Cover mit dem "Papierüberzug
außen" beklebt.
Dazu zunächst von beiden Seiten die Ecken abschneiden, denn die sollen
ja nachher freibleiben. Am besten legt man das Papier auf das Cover und faltet
die Ecken soweit zurück, wie es einem gefällt - und schneidet dann
an dem Knick ab.
Auf Bild 8 könnt Ihr
sehen, wie man das Papier am besten anlegt, um die Größe der abzuschneidenden
Ecken zu bestimmen. Oben, unten und rechts steht etwas über, das wird
nachher nach innen gefaltet und angeklebt, links liegt das Papier direkt grade
über dem Rand des Leinenrückens. Die Breite des Rückens ist
Geschmackssache. Wenn Ihr nur einen sehr schmalen Rücken haben wollte,
dann müßt Ihr das Bezugspapier etwas breiter zuschneiden.
Natürlich macht man das mit der Rückseite haargenauso, aber Achtung - die wird rechts an den Rücken angelegt. Wenn Ihr das Papier mit einem Motiv bestempelt habt, dass in eine bestimmte Richtung zeigen muss, dann achtet hier auf die Vorder- und Rückseite. Am besten einfach beide Seiten anlegen, dann wird klar, was gemeint ist.
So, jetzt nur noch das Papier einleimen und dann möglichst passend vorne auf den Deckel legen, die drei Außenseiten nach innen biegen und feste andrücken. Gut ist es auch, wenn man eine Walze hat, mit der man dann noch mal kurz über die gesamte Vorderseite rollert, das hilft eventuelle Luftbläschen rauszudrücken, sonst einfach nur mit den Fingern rausstreichen und schön glatt andrücken.
Auf Bild 9 seht Ihr jetzt das Buch mit einer fertig bezogenen Coverseite und dem "beschnittenen" Papier für die Rückseite, das noch angeklebt werden muss.
Und so sieht Euer Buch jetzt von innen aus: Bild 10.
Jetzt nähen wir den Buchblock. (Die Buchbinder sagen dazu "heften", aber wir verzichten ja vorsätzlich auf Fachausdrücke.) Dazu werden zunächst alle 6 DIN A 5 Blätter genau in der Mitte scharf zusammengefaltet, am besten jedes einzeln - und dann ineinandergelegt. Das macht das Buch "schmaler" als wenn man die 6 Blätter übereinander legen und gleichzeitig falten würde. Dann nimmt man den Innenstreifen aus Buchbinderleinen, faltet auch den einmal längs in der Mitte und legt ihn dann so außen um die Blätter, dass die "gute Seite" nach innen zeigt! Die Rückseite muß nach außen gekehrt sein, denn die wird später eingeleimt. Der Leinenstreifen wird mit angenäht.
Jetzt das Ganze aufklappen und darauf achten, dass die Blätter und der Streifen möglichst exakt aufeinanderliegen, mit einer Hand festhalten und mit der anderen Hand mit der Nadel drei Löcher vorpieksen, eines genau in die Mitte und die anderen beiden ca. 2-2,5 cm vom Rand entfernt. Am besten legt man sich dazu eine Moosgummiplatte unter, damit man gut durchpieksen kann.
Zwirnfaden einfädeln (ungefähr 40cm lang) und Nähen.
Dabei beginnt man von außen durch das mittlere Loch nach innen, dann
von innen durch ein Randloch nach außen, durch das andere Randloch wieder
von außen nach innen und schließlich zum zweiten Mal durch das
mittlere Loch von innen nach außen, Nadel abziehen.
Jetzt kommen beide Fadenenden außen aus dem mittleren Loch.
Am besten ist es, wenn man den langen Faden, der von oben nach unten geht,
zwischen die Fadenenden nimmt und dann einen Doppelknoten macht. Darauf achten,
dass der Faden wirklich richtig stramm sitzt, eventuell vor dem Knoten noch
mal an beiden Enden ziehen. Wenn zu "labberig" genäht wurde,
könnten sonst nachher die Seiten einreißen, weil sie zuviel Spiel
haben.
Überstehende Enden kurz abschneiden.
Um es optisch zu verdeutlichen, haben wir versucht, die Nähreihenfolge
auf Bild 11 aufzumalen
Bild 12 zeigt den fertig
genähten Buchblock im "Original".
Dieser Buchblock muß jetzt in der Größe auf den Buchdeckel
zugeschnitten werden.
Dazu den Buchblock in den Deckel legen - und auf allen Seiten soviel abschneiden,
dass er ringsrum ca. 2mm kleiner ist als der Deckel. Durch das Abschneiden
werden auch gleichzeitig alle Seiten auf genau dieselbe Länge und Breite
gebracht.
Es geht zwar im allergrößten Notfall auch mit einem scharfen Cutter
(dann immer mehrfach an der Kante eines Stahllineals langschneiden) - ist
aber sehr mühsam. Hier leistet eine gute Schneidemaschine wieder wunderbare
Dienste. (Am besten ist eine Guillotine, kein Rollenschneider)
Und nun muß der Buchblock in den Deckel eingeklebt werden.
Dazu legt man zwischen den angenähten Leinenstreifen und das Papier vorne
und hinten je ein Schmierblatt und streicht dann das Leinen mit Leim ein.
Wieder darauf achten, daß man über den Rand hinaus auf das Schmierpapier
streicht, damit auch sichergestellt ist, dass der Rand komplett anklebt.
Dann wird das Schmierpapier entfernt und der Buchblock grade in den aufgeklappten
Deckel "gestellt", dabei darauf achten, dass man ziemlich genau
die Mitte trifft.Den Innenstreifen rechts und links gut andrücken. Anschließend
mit einem Falzbein wieder über die "Kanten" streichen, damit
der Buchblock ganz "tief" eingehangen wird. Buch schließen
und prüfen, ob wirklich alles grade ist. Im schlimmsten Notfall kann
man jetzt noch mal blitzschnell alles wieder rausnehmen und neuprobieren.
Bild 13 zeigt den eingeleimten
Buchblock.
Als letztes müssen nun nur noch vorne und hinten die Innenseiten eingeklebt
werden.
Die liegen ja schon vorgeschnitten bereit, also nur noch einleimen und grade
auflegen. Auch hier ist eine große Walze oft hilfreich, wenn das Papier
sich wellen sollte oder Blasen wirft.
Bild 14 zeigt das Buch mit eingeklebtem
Innencover.
So, das Buch ist fertig - sollte jetzt aber über Nacht noch trocknen und dabei gepreßt werden.
Dazu legt man zwischen Deckel und Buchblock am besten je eine Seite Butterbrotpapier, um zu verhindern, dass eventuell austretende Leimreste den Deckel an die Seiten ankleben. Vorsichtige Menschen legen auch außen auf das Cover (dann natürlich vorne und hinten) je eine Seite Butterbrotpapier - besser ist besser. Das so gut geschützte Buch dann entweder unter einen Stapel dicker Bücher legen - oder zwischen zwei Holzbretter, die man mit Schraubzwingen fest zusammendrückt.
Voilà - Euer Buch ist komplett und kann jetzt noch nach Belieben verziert werden.
Herzlichen Glückwunsch!
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